KRISTA SAGER BEI

Warum ich für eine verbindliche Frauenquote bin

Freitag, den 18. Februar 2011

Kommentar von Krista Sager

Eines ist klar, wenn die Rekrutierung von Führungskräften in Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden fast ausschließlich nur aus einer Geschlechtergruppe geschieht, ist dies sicher eines nicht: eine Besten-Auslese.
Bei der Entscheidung darüber, wer Zugang zu den Machteliten dieses Landes erhält, geht es offenkundig um andere Kriterien.

Denn noch heute ist es für Frauen einfacher, erfolgreich ein eigenes Unternehmen zu gründen und zu leiten, als in die Vorstände oder Aufsichtsräte großer Unternehmen vorzudringen. Und dies ist nicht nur eine Frage von Gerechtigkeit, sondern auch von Qualität und Innovationsfähigkeit.

Durch den demografischen Wandel wird der Anteil der jungen Generation, aus dem Führungsnachwuchs generiert werden kann, immer kleiner. Gleichzeitig  wächst der Anteil der sehr gut ausgebildeten, beruflich engagierten Frauen innerhalb der jungen Generation. Diese tüchtigen jungen Frauen bei der Selbstrekrutierung der Führungszirkel einfach draußen vor zu lassen, kann für die Zukunft von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft  nicht vernünftig sein. Trotzdem passiert genau dies immer wieder und auch zehn Jahre freiwillige Selbstverpflichtung der deutschen Wirtschaft haben daran nichts geändert. Dabei wird die Dürftigkeit bisheriger Ausreden immer offenkundiger. Die Behauptung, es gäbe sie ja leider nicht, die gut ausgebildeten tüchtigen jungen Frauen, zieht nicht mehr. Auch die Behauptung, die jungen Frauen würden doch nur wieder bei Kindern und Küche verschwinden, hat sich überholt. Gerade neueste Untersuchungen und Umfragen zeigen, dass die Generation der Alpha-Mädchen deutlich ehrgeiziger ist als ihre Mütter, die noch Angst hatten, wegen ihres beruflichen Engagements als Rabenmütter verschrien zu werden. Woran liegt es also? Als lebenserfahrene alte Kampfhenne kann ich nur sagen: Es ist ganz einfach. Männer haben Frauen einfach nicht auf dem Zettel.

Der Charme der Quote besteht darin, dass sie machtbewusste Männer dazu bringt, sich überhaupt nach Frauen umzuschauen, und zwar nicht, weil sie – wie Herr Ackermann meint – alles so viel „farbiger und schöner“ machen. Vorstände und Aufsichtsräte werden nun mal von denjenigen zusammengebastelt, die schon Macht haben, ihre Seilschaften seit Jahren gepflegt und geschmiedet haben und jemanden suchen, der da ihrer Meinung nach reinpasst. Passen tut dann natürlich einer, der ähnlich ist. Schon im Grundschulalter haben Jungs meist ein ziemlich sicheres Gefühl dafür, wer ihre Buddys und wer ihre Rivalen sind, wo sie im inoffiziellen Ranking stehen und was dabei zählt. Mädchen sind zwar auch wichtig, spielen aber in dieser Jungenliga keine Rolle. Frauen, selbst hervorragend qualifizierte, sind oft zögerlich und von Selbstzweifeln geplagt, wenn es um herausgehobene Positionen geht. Bevor die Frau sich durchgerungen hat, haben schon drei Männer: „Hier!“, geschrien.

Die Quote zwingt Organisationen und Führungskräfte dazu überhaupt erst mal gute Frauen zu suchen und diese gegebenenfalls zu überzeugen. Gute Frauen werden dadurch überhaupt erst sichtbar und können zeigen was in ihnen steckt. Davon dass diese Frauen „Quotenfrauen“ waren, spricht dann sowieso kein Mensch. Die Luft in den Führungsetagen ist auch viel zu dünn, als dass sich dort mittelmäßige Frauen dauerhaft festsetzten könnten. Natürlich ist die Quote nicht die Lösung aller Gleichstellungsprobleme wie Niedriglohn und prekäre Beschäftigung, aber es wäre sicher gut für Wirtschaft und Gesellschaft, wenn vielfältige Perspektiven und die Lebenserfahrung von Frauen eine größere Rolle spielen würde. Ich selbst wäre ohne die 100% Quote der Hamburger Frauenfraktion nicht mal in die Hamburger Bürgerschaft gekommen, weil ich bei den kommunistischen und sozialistischen Platzhirschen der GAL damals unter Reala-Verdacht stand.