Die anschließende Diskussion zum Thema Klimaschutz nahm genau diese Möglichkeiten in den Blick, die Grünen Politikerin Krista Sager und der renommierte Klima-Forscher Prof. Dr. Hartmut Graßl diskutierten die Möglichkeiten, den Klimawandel aufzuhalten und die Veränderungen, die dazu notwendig sind: technisch, politisch, in der Wissenschaft und in unserer Gesellschaft.
Es ist eine gewaltige und wichtige Aufgabe, möglichst viele Menschen in möglichst vielen Ländern von der großen Bedeutung des Klimaschutzes zu überzeugen, und das in kürzester Zeit, darüber war sich das Publikum mit dem Podium einig. Wie kann das aber gelingen?
Hartmut Graßl, der ehemalige Leiter des weltweit anerkannten Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie formulierte die Frage so: „Wie kann man es bei diesem großen Thema schaffen, diejenigen, die keine wissenschaftliche Erfahrung haben, es als ernstes Thema zu begreifen und merken, dass man, wenn man etwas tut, keine Lebensqualität verliert?“. Die Antwort: Indem diejenigen, die es schon begriffen haben, ganz praktisch mit dem Klimaschutz weitermachen und den anderen zeigen wie es geht und was es für Vorteile hat.
Die USA werden in ihrer jetzigen politischen Situation aufgrund fehlender politischer Mehrheiten für den globalen Klimaschutz nicht vorangehen. Graßl zieht daraus den Schluss, dass es die EU-Staaten sind, die deshalb nun aktiv werden müssen. Deutschland habe das ja bereits getan, für die Windenergie mit dem Einspeisegesetz noch aus der Regierungszeit Helmut Kohl, das unter Rot-Grün dann noch maßgeblich verbessert worden sei, unter Rot-Grün dann noch weiter mit der zusätzlichen Förderung der Solarenergie beispielsweise. Anders als es uns der Film von Großbritannien zeigt, wo der Widerstand gegen die Windkraftanlagen absurde Züge trägt (den Gegnern den Anlagen geht es regelmäßig darum, die freie Aussicht zu waren)– aber erfolgreich ist.
„In Deutschland ist der Umweltschutz inzwischen bei denen, die sich interessieren, kulturell akzeptiert. Wir wissen, dass wir Strom beziehen können, ohne uns eine CO²- Rechnung zu machen. auch bei der Gasversorgung kann man sich einen alternativen Anbieter suchen. Überschuss investiert in Windenergie bringt Rendite. Insbesondere lässt sich die Regierung von Umwelt- und Klimaexperten beraten. In den USA hat der Klimaschutz keinen institutionalisierten Zugang zur Regierung, obwohl in US-amerikanischen Forschungseinrichtungen weltweit sicher die Hälfte zum Wissen über den Klimaschutz erforscht und publiziert wird.“
Graßl ist aber dennoch optimistisch: „Die Menschen neigen ja dazu, immer erst auf den letzten Drücker aktiv zu werden. Im Moment geht es ja, was die Internationalen Abkommen angeht, eher schleppend voran, ob wir das 2°-Ziel erreichen, ist fraglich. Fraglich ist auch, ob die 2° als Ziel am Ende ausreichen, oder ob es im globalen Mittel vielleicht nur 1,5 °wärmer werden darf, damit nicht Grönland schmilzt. Dennoch, die Forschung arbeite sogar daran, das CO² wieder aus der Atmosphäre herauszuholen. Um am Ende werde sich der Klimaschutz doch noch durchsetzen.
Krista Sager teilt Graßls Optimismus. Zum einen setzt die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion auf die Forschung, die sich beim Klimaschutz rasant fortentwickle. Sie betont zum anderen: „ Wir müssen aber auch optimistisch Politik machen. Die Energiekonzerne haben noch 1993 nicht geglaubt, dass die erneuerbaren Energien je mehr als 4 % unseres Stromverbrauchs herstellen könnten, heute sind es 19 %. Aktuell ist es wichtig, dass wir uns beim Klimaschutz nicht auf die internationale Gerechtigkeitsdebatte einlassen, nach dem Motto ‚wir warten, bis die anderen bereit sind, etwas zu tun, dann fangen wir auch an‘. Die EU, Deutschland, wir sind es, die jetzt erst recht die Vorreiterrolle übernehmen müssen. Nur dann haben wir die Chance, diejenigen, die bislang nicht mitmachen wollen davon zu überzeugen, dass man mit Klimaschutz gut fährt: Lebensqualität, Vorteile der Energie-Effizienz, Arbeitsplätze Exportchancen, sind die Stichworte.“
Ohne die EU, so Graßl, wären wir beim Klimaschutz längst nicht so weit wir heute, betont Graßl, insbesondere die Richtlinien des EU-Parlaments seien hier maßgeblich. Insofern sieht er auch die Rentabilität und damit die Zukunft des Kohlekraftwerks Moorburg fraglich, weil die EU die besonders kohlenstoffträchtigen Kraftwerke besonders hoch belaste.
Welches Wachstum brauchen wir? Diese zentrale Frage beantwortet Armstrong im Film jedenfalls negativ damit, dass das Wachstum im herkömmlichen Sinne uns nicht weiterbringt, weil es zu viel Ressourcen verbraucht und diese auf der Erde endlich sind, wie beim Öl klar ersichtlich.
Was folgt daraus? Hartmut Graßl:“Wir müssen uns darüber klar werden, dass unser ganzes System der sozialen Sicherung, die Pflege, die Krankenversicherung bspw. auf dieses Wachstum abgestellt ist. Man muss hier umdenken und sich fragen: Was soll eigentlich wachsen? Von unserem System abzuweichen, wird aber schwierig werden, denn selbst das Flicken an dem System, bestätigt kurzfristig diejenigen, die auf den konservativen Wachstumsbegriff setzen, denn das Flicken an System steigert erst einmal das Bruttosozialprodukt.“
Krista Sager ist derselben Auffassung: „Im Bundestag gibt es jetzt auf Initiative der Grünen eine Enquetekommission, die sich mit dem Wachstumsbegriff beschäftigt und ihn hinterfragt.“
Und was Hamburg, was können wir Städter tun? Eine Menge, meint Sager, 80 % der Menschen weltweit leben in Städten, da ist es schon wichtig, dass eine Stadt wie Hamburg als Umwelthauptstadt 2011 vorangeht. (tas)







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