KRISTA SAGER BEI

16 Fragen an: GAL-Spitzenkandidatin Krista Sager

Montag, den 21. September 2009
16 Fragen an Krista Sager - erschienen am 21. September 2009 in der WELT
1.Warum wollen Sie unbedingt in den Bundestag?

Weil ich meine gute Arbeit in der Fraktion und im Ausschuss für Bildung und Forschung fortsetzen möchte.

2. Stellen Sie sich vor, Sie wären Bundeskanzlerin. Was würden Sie als Erstes ändern?

Ich würde für ein neutrales und ergebnisoffenes Suchverfahren für ein Atommüllendlager sorgen und damit die einseitige Vorfestlegung für Gorleben beenden.

3. Welche politische Maßnahme hat Sie in den vergangenen vier Jahren am meisten empört?

Dass SPD und CDU in der Verfassung ein Kooperationsverbot für den Bildungsbereich vereinbart haben. Danach darf der Bund keine Bildungsmaßnahmen mehr mitfinanzieren. Deshalb ist eine Fortführung und Weiterentwicklung des Ganztagsschulprogramms Ende dieses Jahres akut gefährdet.

4. Welche drei Forderungen sind für Sie die wichtigsten in diesem Bundestagswahlkampf?

Der Atomausstieg muss bleiben, Pannen- und Risikoreaktoren müssen schneller stillgelegt werden. Eine Million neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze durch Investitionen in ökologische Modernisierung und Bildung. Wir brauchen einen gesetzlichen Mindestlohn.

5. Was wünschen Sie sich von Ihren Kontrahenten im Wahlkreis?

Dass sie nicht traurig sind, wenn sie in Hamburg bleiben müssen.

6. An was wollen Sie in vier Jahren gemessen werden?

Daran, dass ich mich glaubhaft für die oben genannten Forderungen und für Fortschritte vor allem im Bildungs- und Forschungsbereich eingesetzt habe.

7. Was tun Sie im Bundestag für Hamburg oder ihren Wahlkreis?

Ich setze mich für die Bundesbeteiligung beim Deckel über die A 7 ein. Ich setze mich ein für mehr Geld für den Hochschulpakt und den Pakt für Forschung und Innovation. Das hilft auch der Hamburger Universität. Mindestlohn, Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung und ein Bildungssoli helfen auch vielen Menschen in Hamburg.

8. Was machen Sie, wenn Sie nicht gewählt werden?

Das wird kaum passieren, aber dann hätte ich mal viel Zeit für die vielen schönen Dinge, die ich bisher vernachlässigt habe.

9. Wie motivieren Sie Erstwähler, ihre Stimme abzugeben?

Wer als Erstwähler/in nicht wählen geht, überlässt es dem großen Anteil der Älteren, darüber zu bestimmen, wie die Zukunft gestaltet werden soll. Die Jüngeren müssen mit diesen Entscheidungen aber später leben.

10. Wer ist Ihr persönliches Vorbild?

Ein Vorbild habe ich nicht, aber ich empfinde großen Respekt vor starken und klugen Frauen wie Hannah Arendt, Ida Ehre oder Marion Gräfin Dönhoff.

11. Warum ist der Wahlkampf so langweilig?

Ich bin viel unterwegs und finde den Wahlkampf nicht langweilig. Aber wenn die CDU nicht darüber reden will, was sie mit Schwarz-Gelb vorhat, und die SPD so auftritt, als wenn sie nichts lieber wolle, als in der großen Koalition weiterzumachen, dann kommt tatsächlich Langeweile auf.

12. Was halten Sie von rot-rot-grünen Bündnissen?

Das wird es im Bund nicht geben. Die Linke hat mit dem sofortigen Abzug aus Afghanistan für sich und andere das Stöckchen so hoch gelegt, dass schon das eine Koalition verhindert. Die Linke wird sich irgendwann entscheiden müssen, ob sie bloße Protestpartei bleiben will oder politisch gestalten möchte. In den Ländern sieht das jetzt schon unterschiedlich aus.

13. Wann sollen die deutschen Truppen aus Afghanistan raus?

Wir Grünen sehen Deutschland in der Mitverantwortung für ein stabiles Afghanistan. Basierend auf einem UN-Mandat, haben im Rahmen der Isaf über 40 Staaten die Aufgabe übernommen, die Situation in Afghanistan so lange zu stabilisieren, bis die Afghanen selbst für ihre Sicherheit sorgen können. Afghanistan befindet sich noch immer in einem schweren Konflikt. Ein Sofortabzug würde das Land in einen neuen Bürgerkrieg stürzen, an dessen Ende höchstwahrscheinlich die erneute Machtergreifung der Taliban stehen würde. Für eine verantwortbare militärische Abzugsperspektive braucht es dringend einen Strategiewechsel. Um die Afghanen in die Lage zu versetzen, sich selbst zu schützen, setzen wir Grünen vor allem auf einen Ausbau des zivilen Engagements und den Aufbau der afghanischen Polizei, Armee und Justiz.

14. Sollen weitere Atomkraftwerke abgeschaltet werden?

Am Atomausstieg muss unbedingt festgehalten werden. Alt- und Pannenreaktoren sollten schneller stillgelegt werden. Dazu muss das Regelwerk für die Sicherheitsüberprüfung dem neuesten Stand der Technik angepasst werden.

15. Wie kommt Deutschland aus der Krise?

Wir müssen unsere Wirtschaft auf ein nachhaltiges Fundament stellen, um Klimakrise und Wirtschaftskrise gemeinsam anzugehen - durch konsequente Investitionen in die ökologische Modernisierung. Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen haben große Chancen auf globalen Märkten. Die jungen Menschen brauchen gute frühe Förderung und eine gute schulische und berufliche Ausbildung, sonst drohen uns Fachkräftemangel und hohe Arbeitslosigkeit gleichzeitig. Wir brauchen eine Green New Deal für Klima, Bildung und soziale Gerechtigkeit.

16. Wie viel Prozent holen Sie mit Ihrer Partei in Hamburg?

Ich bin sicher, dass es für zwei Hamburger Mandate reicht.