Wissenschaftlicher Nachwuchs: Auch der Bund steht in der Pflicht

18. April 2013, 16:22 Uhr

Zum Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2013 erklärt Krista Sager, Sprecherin für Wissenschafts- und Forschungspolitik: Die Beschäftigungsbedingungen und die unsicheren Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs erweisen sich zunehmend als Achillesferse des deutschen Wissenschaftssystems.

Die aktuellen Daten des Bundesberichts unterstreichen diese gefährliche Entwicklung.

Um verlässlichere Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs zu schaffen, müssen Politik und Wissenschaft ihre Handlungsmöglichkeiten endlich ausschöpfen: Der Bund sollte der rot-grünen Bundesratsinitiative zur Reform des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes folgen, um das Befristungsunwesen mit immer kürzeren Vertragslaufzeiten zu begrenzen. Außerdem ist der Bund in der Verantwortung, die Länder bei der gemeinsamen Forschungsfinanzierung zu entlasten, damit diese die Grundfinanzierung der Hochschulen verbessern können.

Die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz sollte die laufenden Vorarbeiten der Hochschulrektorenkonferenz und des Wissenschaftsrates aufgreifen, um neue und einheitlichere Personalkategorien jenseits von abhängigem Nachwuchs und Vollprofessur zu schaffen. Die Hochschulen schließlich müssen mehr Verantwortung für die Personalentwicklung übernehmen und sich auf Mindeststandards für vernünftige Beschäftigungsverhältnisse selbst verpflichten.

Der Bundesbericht zeigt, dass sich die Beschäftigungsbedingungen für den Nachwuchs abermals verschlechtert haben: Das Verhältnis zwischen befristeten und unbefristeten Verträgen ist aus den Fugen geraten. Gerade noch zehn Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter an den Universitäten hatten 2010 einen unbefristeten Vertrag. 2005 waren es noch 20 Prozent. 42,5 Prozent der Stellen sind aus Drittmitteln finanziert. Die Laufzeit der Verträge wird immer kürzer. Für bewährte Kräfte gibt es keine Perspektiven auf ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis unterhalb der Vollprofessur. Von sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die nach der Promotion an den Hochschulen bleiben, schafft es rechnerisch nur eine Person auf eine Professur.

(Pressemitteilung der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen)

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