Fußball-Kolumne

4. Februar 2013, 10:52 Uhr

Nun ist es endlich wieder losgegangen – auch in der 2. Bundesliga. Mit dem 0:0 gegen Cottbus muss man theoretisch wohl halbwegs leben können. Erstens hat ein Unentschieden gegen Cottbus fast schon Tradition. Zweitens haben die Cottbusser sich für einen ostdeutschen Provinzverein erkennbar entwickelt (auch wenn einem Schauspieler wie Sanogo ganz schön auf den Keks gehen können). Drittens: Wenn man vom 13. Tabellenplatz aus gegen den Viertplatzierten einen Punkt holt, müsste man eigentlich zufrieden sein.

Das waren in Wahrheit aber wohl die Wenigsten im Stadion. Denn man fragt sich natürlich, wie es nach dieser Saison weitergehen soll, wenn der Verein erklärtermaßen das Ziel verfolgt, bald auch oben wieder mitspielen zu wollen. Auch wenn man diese Saison abhakt und auch den missratenen Saisonstart mit einem eigentlich schon entlassenen Trainer abhakt: Die Mannschaft spielt zwar hochmotiviert, aber auch sagenhaft ineffektiv. Dabei hatte St. Pauli eigentlich mehr vom Spiel und hat durchaus Druck gemacht (gefährliche Konter der Cottbusser landeten entweder im Nirwana oder wurden von Tschauner sauber pariert). Aber alles Bemühen blieb auch diesmal brotlose Kunst. Schöne Spielzüge gibt es durchaus, allerdings auch eine ganze Reihe von Fehlpässen, Missverständnissen und überflüssigen Ballverlusten. Aber was fehlt, sind vor allem Tore, Tore, Tore – und das schon seit langem.

Dabei ist es auch nicht so, dass die Neuen sich nicht entwickeln: Die Leistungen von Daniel Ginczek, Akaki Gogia, Christopher Avevor auf dem Platz können sich durchaus sehen lassen. Auch mancher Stammspieler, der schon länger dabei ist, hat sich weiterentwickelt: Markus Thorandt, dessen Leistungen in der 1. Liga ziemlich zu wünschen übrig ließen, ist längst ein echtes Bollwerk in der Abwehr. Aber Torgefahr geht von dieser Mannschaft nicht aus.

Die Situation zeigt, wie schwer es inzwischen für kleinere Vereine geworden ist, sich überhaupt finanziell gegen die Konkurrenz zu behaupten und einen Generationenwechsel erfolgreich zu vollziehen, wenn die alten Recken weg sind oder nicht mehr so können. St. Pauli hat zwar gute Erfahrungen mit ausgeliehenen Spielern, aber wenn die genügend Spielerfahrung bei uns gesammelt haben und einigermaßen eingeschlagen sind, holen die großen Vereine sie zurück. Langfristig kann man da nicht mit planen.

Eigengewächse zu züchten ist für finanzschwache Vereine natürlich immer eine wichtige Strategie, wird aber trotz guter Voraussetzungen in einem Kult-Club in einer Kult-Stadt auch immer schwieriger: Wenn das Scouting heute schon bei den Kindern anfängt und 15- und 16-jährige Talente schon von den großen Vereinen abgeworben werden, bringt man die besten Youngster auch nicht mehr bis in die Profimannschaft durch. Dabei hat St. Pauli mit Eigengewächsen bisher noch Glück gehabt, aber es bleiben dann eher Spieler, die einer Mannschaft zwar helfen können, aber kein Spiel drehen. Junge Stürmer, die erkennen lassen, dass sie das Talent zum Vollstrecker haben, sind so begehrt, dass wir sie uns einfach nicht leisten können. Dazu kommt dann noch, dass bei den Fans jedes Mal Heulen und Zähneklappern ausbricht, wenn der Verein sich von einem der altvertrauten Spieler trennt, was einen rechtzeitig eingeleiteten Generationenwechsel auch nicht gerade einfach macht.

Es gibt also eine Tendenz, Probleme vor sich her zu schieben, für die man dann keine Lösung hat, wenn sie akut werden. Man kann sich nach dem 0:0 nicht der Tatsache entziehen, dass der FC St. Pauli sich in einer schwierigen Phase befindet und Morgenröte nicht so richtig in Sicht ist. Was bleibt, ist die Freude über die proppenvolle neue Gegengerade mit einer Super-Akustik. Ich bin allerdings auch froh, dass der Verein bei diesem Projekt keine großen Risiken eingegangen ist, sondern sich für die bodenständige Variante entschieden hat. Mit ehrgeizigen Neubauten, die sich dann als unbezahlbar herausstellen, haben wir in Hamburg ja einschlägige Erfahrungen.

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