Fußball-Kolumne

9. Januar 2012, 09:12 Uhr

Inzwischen kann ich alle gut verstehen, die meinen, es macht mehr Spaß, in der 2. Liga zu spielen. Sich über viele schöne Siege zu freuen wie zuletzt gegen die Eintracht und oben mit dabei zu sein, das ist wirklich ein anderes Lebensgefühl, als ständig vor dem Abstieg zu zittern. Aber wenn man unter den ersten vier dabei ist und alle punktemäßig noch so dicht beieinander liegen, dann träumt man ja doch vom sofortigen Wiederaufstieg.

Die Saison ist bisher besser gelaufen, als ich erwartet hatte. Da muss man den sportlich Verantwortlichen wirklich ein Kompliment machen. Es ist ihnen gelungen, den Kern der Aufstiegsmannschaft zusammenzuhalten und ihn durch gezielte Neuzugänge sinnvoll zu verstärken. Wenn sich jetzt noch einige Verletzte, wie Lasse Sobiech und Carlos Zambrano, zurückmelden, müssen wir vor der weiteren Rückrunde keine Angst haben.

Eine besondere Genugtuung und Grund zum Jubel gibt es, weil die Mannschaft es inzwischen auch gelernt hat, bis zur letzten Sekunde zu kämpfen und ein Spiel auch mal in der 93. Minute zu drehen wie gegen Paderborn. Wie oft haben wir es in der letzten Saison erlebt, dass aus einem verdienten Sieg auf den letzten Drücker nur ein Unentschieden wurde oder ein sicher geglaubtes Unentschieden doch noch in einer Niederlage endete.

Aber man sollte sich auch nichts vormachen, ob St. Pauli den Wiederaufstieg schafft oder nicht – nach dieser Saison wird es schwieriger: Denn viele der Recken aus der Aufstiegsmannschaft sind inzwischen deutlich jenseits der 30. Bei einigen, von denen Pauli jetzt wieder profitiert wie Ebbers, muss man auch feststellen, dass es für die 1. Bundesliga einfach nicht gereicht hat. Falls wir in der 2. weiterspielen, steht zu befürchten, dass von den jüngeren Leistungsträgern manch einer wie z.B. Max Kruse sein Glück bei einem anderen (Erstliga)Verein suchen wird. Der FC St. Pauli steht also vor der Aufgabe, sich in absehbarer Zeit mit neuen jüngeren Spielern restrukturieren zu müssen. Dies dürfte aber nicht leicht sein in einem Umfeld, wo inzwischen schon ein harter Konkurrenzkampf zwischen den Vereinen um 13- und 14-Jährige herrscht. Selbst wenn unsere Scouts ein junges Talent schon früh ausmachen und man versucht, die Nachwuchsarbeit nachhaltig aufzubauen, ist die Gefahr, dass ein größerer Verein dazwischen grätscht und wir einfach nicht mithalten können, groß.

Froh bin ich, dass der Verein sich bei der Fortsetzung des Stadionneubaus für die bodenständige Variante entschieden hat. So reizvoll die „Welle“ architektonisch betrachtet auch gewesen wäre, wir können uns ein unkalkulierbares finanzielles Risiko – quasi eine „Pauli-Elbphilharmonie“ – einfach nicht leisten. Dass wir in der Ära von Corny Littmann endlich in wirtschaftlich sicheres Fahrwasser gekommen sind, sollten wir auf keinen Fall leichtfertig auf‘s Spiel setzen.

Natürlich habe ich mich auch an der Anleihe-Aktion beteiligt. Das Versprechen einer 6%igen Verzinsung scheint mir allerdings etwas gewagt. Ich kann nur hoffen, dass der Verein bzw. das beauftragte Bankhaus das einhalten kann. So erfreulich es ist, dass die Platzierung der Anlage so erfolgreich war und St. Pauli damit auch manchem großen Verein zuvor gekommen ist: So etwas ist im Prinzip nur was für Leute, die auf das Geld nicht angewiesen sind und schon jetzt dazu bereit wären, die Anleihe nach 18 Jahren auch als Vereinsspende für das neue Stadion abzuschreiben.

Ärgerlich ist, dass das Hallenturnier von Gewalttätern kaputt gemacht wurde. Es ist zum Verzweifeln, dass immer wieder kleine Gruppen von gewaltbereiten Idioten ausreichen, um tausenden Fußballfans den Spaß zu verderben. Mein besonderes Mitgefühl gilt in diesem Fall den Dänen. Da haben die extra die lange Anreise auf sich genommen, landen in Hamburg in absolutem Sch…wetter und dann muss das Turnier wegen Randalierern abgebrochen werden. Das ist bitter.

Damit bis zum nächsten Heimspiel keine Entzugserscheinungen bei mir aufkommen, habe ich mir eine Karte für das Freundschaftsspiel gegen die neue Stani-Truppe Hoffenheim gesichert. Es heißt, dass Stani und Trulsen schon ziemliches Heimweh nach Hamburg haben. Gegen die Atmosphäre am Millerntor kommt Sinsheim natürlich nicht an.
Beim nächsten Auswärtsspiel bin ich auch dabei. Ich bin im Laufe der Jahre mit den Grünen ja schon ziemlich in der Republik rumgekommen, aber in Aachen war ich noch nicht. Da ist dann auch ein Dombesuch angesagt.

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