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DER…, DIE…, ANDERE? Intersexualität in Deutschland

22. Juni 2012, 10:29 Uhr

Rund 30 Menschen diskutierten am 21.6. 2012 im Kultwerk West mit Lucie Veith, Intersexuelle Menschen e.V. , Dr. Michael Wunder, Evangelische Stiftung Alsterdorf, Mitglied des Deutschen Ethikrates und Krista Sager, Sprecherin für Wissenschafts- und Forschungspolitik und für Biotechnologie der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen über die Möglichkeiten und die Notwendigkeit die Situation von intersexuellen Menschen in Deutschland zu verbessern.

Intersexuelle Menschen, deren Geschlechtsmerkmale als “uneindeutig” wahrgenommen werden, sind hierzulande vielfältigen Diskriminierungen ausgesetzt.  Nicht “eindeutig” männlich oder weiblich verortete Menschen stoßen auf Unverständnis in einer Gesellschaft, die von der Norm ausgeht, in der es nur Männer und Frauen gibt.

Intersexuelle Menschen und MenschenrechtsverteiligerInnen weisen seit Jahren auf die Menschenrechtsverletzungen hin und fordern die rechtliche Gleichstellung.

Eines der großen Probleme, vor die sich interexuelle Menschen und auch ihre Eltern gestellt sehen, erläuterte Lucie Veith: “Weil man eben schon gleich nach der Geburt das Geschlecht männlich oder weiblich angeben muss, haben viele eine erzwungene Identität, sie müssen sich im Zweifel ein Leben lang als etwas bezeichnen, das sie nicht sind.”

Überfällig, findet auch Psychologe Michael Wunder ist deshalb die Änderung des Personenstandsrechts, eine Erweiterung um das Geschlecht “andere”, möglicherweise nach dem Vorbild Australiens, wo es die Kategorie schon gibt, wäre da eine gute Lösung.

Im Februar 2012 erschien die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats zur Situation von intersexuellen Menschen in Deutschland. Darin wird u.a. vorgeschlagen, im Personenstandsregister eine dritte Kategorie „anderes“ zu schaffen.

Intersexuelle sollen selbst entscheiden können, wie sie sich verorten. Auch plädiert der Ethikrat für ein sehr viel höheres Maß an Selbst- und Mitbestimmung Betroffener, wenn es zum Beispiel um Fragen medizinischer Eingriffe zur Geschlechtszuordnung im Kindesalter geht.

Lucie Veith kennt die Leidenswege vieler intersexueller Menschen von dern Kindheit bis ins Erwachsenenalter: “Hier geht es um Beschneidung, um Menschenrechtsverletzungen an Kindern , die nicht in die Norm passen; noch immer setzen Ärzte Eltern Neugeborener unter Druck, sei sollen ihr Kind in ein eindeutig weibliches oder männliches Wesen um-operieren lassen”.

Wie kann die Politik, wie kann die Gesellschaft die Situation intersexueller Menschen verbessern?

Krista Sager stellt die Grünen Forderungen zur Änderung des Personenstandsrecht vor. Das Elternrecht zurückstehen zu lassen gegenüber der eigenen Entscheidung der betroffenen Kinder hält sie und halten die Grünen wie auch der Ethikrat in allen Fällen einer geschlechtszuweisenden Operation für richtig.

Lucie Veith geht mit ihren Forderungen darüber hinaus, wenn sie dies auch für Menschen mit dem Adrenogenitale Syndrom (AGS) einfordert.

Die Diskussion geht weiter und viele hoffen auf die Gesetzgebung, die vielen tausend Betroffenen helfen wird.

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/055/1705528.pdf

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